Something Forever

-Kapitel 3 Teil 4/5 -

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Radha Krsna Temple Album


Nun waren alle Aufnahmen für ein eigenes Krishna-Album im Kasten, und Apple wurde nun offiziell die Plattenfirma, unter deren Label die Devotees ihre Platte heraus brachten. Apple war wohl das berühmteste Label Ende der sechziger Jahre überhaupt, und jeder, der bei Apple unter Vertrag stand, konnte sicher sein, von einer großen Fangemeinde gehört zu werden. So waren die Devotees guter Dinge, denn dies Jahr hatte ihnen viel Gutes beschert. Sie hatten durch die Beatles soviel Hilfe erfahren, dass es schon fast unglaublich erschien, und man sich kneifen musste, um alles im rechten Licht zu sehen. Sie hatten ein schönes fünfstockiges Haus im Herzen Londons als Tempel bekommen, dazu wurde ihnen von George Harrison jede Hilfe geleistet bei der Renovierung des Hauses, um daraus einen Hindu-Tempel zu formen. Und als ob dies alles nicht genug sei, wurde ihnen auf einem Silbertablett noch das begehrte Apple-Label für ihre Mantra Dance Mix Platte angeboten, die wie durch Wunderhand von den Beatles aus der Taufe gehoben wurde und in kürzester Zeit ein Welthit ward. Alles dies in einem guten halben Jahr geschaffen, war schon wie ein göttlicher Fingerzeig. Die Einnahmen der sich gut verkaufenden Single gingen ohne große Abstriche in die Tempelkasse, was bedeutete, die Zeit der Armut war vorbei, und die Devotees konnten Bücher drucken und Predigerprogramme auflegen, sich Fahrzeuge zulegen und den Tempel ausschmücken. All diese Umstände kamen über sie wie ein warmer Regen, der das gute Karma über sie auszuschütten schien.



Radha Krishna Temple Album



Nachdem die Devotees, so benommen von all ihrem Glück, ihren Tempel offiziell eröffnen wollten und den Behörden Mitteilung machten, dass das Haus als Tempel genutzt werden solle, erfuhren Sie, dass nicht alle im Swinging London jener Tage so beglückt waren vom Erscheinen dieser orangefarbigen Hindu-Mönche im doch eher konservativ geprägten England. Das Ministerium für Housing affair gab kein grünes Licht für die Eröffnung dieser hippieesken Hindu-Kommune, sondern behielt sich das Recht vor, erst einmal eine etwas genauere Untersuchung anzuleiern, um zu prüfen, ob alles den Regeln entspräche. Die Devotees hatten in ihrem Glück aber schon ihren Guru und Meister Swami Bhaktivedanta eingeladen. ihren Londoner Tempel einzuweihen, und durch seine Anwesenheit hofften Sie auf einen spirituellen Startschuss in ihre wichtige Predigtarbeit. Dies alles schien auf einen Schlag wieder in unerreichbare Ferne entrückt, und große Frustration darüber machte sich breit.

Und wieder einmal waren es die Beatles, die mit einer helfenden Hand die Devotees beim Schopfe packend aus dem Morast der materiellen Umstände zogen und ans viel sicherere Ufer des berühmten Beatle-Lands brachten. John Lennon, informiert über den Umstand, in dem die Devotees auf einmal steckten, rief bei Syamasundara Prabhu an und schlug ihm vor, mit den ganzen Devotees auf sein neu gekauftes 60 Hektar großes Anwesen Teahurst Park zu ziehen, solange bis die rechtlichen Dinge in der Stadt geklärt wären, die einen Bezug des Tempels in Bury Place verhinderten. Dieses Anwesen von John Lennon und Yoko Ono war so riesig, dass es kein Problem für John darstellte, Gäste im schönen Konservatorium, einem großen schönen Gebäude in ausreichendem Abstand zum viel größerem Haus der Lennons, zu beherbergen. Teahurst Park war einst von dem Multimillionär Cadbury mit den vielen Millionen seiner Schokoladen-Industrie errichtet worden, und gleichzeitig auch ein unmittelbarer Nachbar der berühmten Askot-Pferderennbahn, die wöchentlich zum Treffpunkt der englischen upper class und des Adels wurde.

John Lennon hatte das Anwesen aus dem 18. Jahrhundert gerade erworben und wollte sowieso gerade damit anfangen, das Haus zu renovieren und neu zu dekorieren. Und wenn die Devotees gewillt wären, ihm bei der Renovierung zu helfen, wären sie mehr als willkommen in seinem Reich. Gesagt getan, alle zogen nun erst einmal bei John Lennon und seiner Frau ein. Yoko Ono hatte es aber so arrangiert, dass der Kontakt nicht zu intensiv wurde, da Sie Angst hatte, John würde dem Beispiel George Harrisons folgen und sich dem Hinduismus öffnen. Sie war sehr feministisch ausgeprägt und schon damals eine recht dominierungsfreudige Person, die nicht mochte, wenn fremde Einflüsse sich an John anlehnten. In dieser Zeit jedenfalls veröffentlichte Apple auch die besagte erste Radha Krsna Temple Single, und John war einer der ersten Gratulanten im Konservatorium, auch er glaubte, dass die Single in die Charts gehen würde, wohl auch weil alles, was die Beatles damals anfassten, zumeist in die Charts ging. Einmal begleitete er die Devotees beim Singen auf seinem weißen Klavier und sang selbst lauthals mit beim Chanten der heiligen Mantras, was wiederum Yoko Ono auf den Plan rief, die unter dem Vorwand, Migräne zu haben, die Session für beendet erklärte.





(Radha Krishna Temple "Hare Krishna" YouTube)





Be smart with prasad

In gerade diesen Augusttagen veranstaltete die Plattenfirma Apple auch eine große Promotions- Party für die Radha Krsna Temple Single, wo viel Presse und viel Musik-Geschäftsleute eingeladen wurden in eine große gregorianische Villa im Süden von London. Im Garten der Villa war ein sehr großes imposantes blau-weiß gestreiftes Zelt aufgestellt worden, in dem eine noch imposantere vegetarisch-ayurvedische Tafel der unbegrenzten Möglichkeiten für die Gourmets der indisch-vegetarischen Küche aufgebaut war. George hatte mit den Devotees einen großen Kirtan in eine rauschende Musiklandschaft verwandelt, die alle Zuhörer in ihren Bann zog, weil kaum jemand diese Klänge mit einem Beatle vormals in Verbindung brachte und nun eines Besseren belehrt wurde. Das Essen und das Singen des Mantra Dance Mix war es auch, was die Presse beflügelte, am nächsten Tage in ganz England, und auch im Ausland nur in höchsten Tönen von der neuen Radha Krsna Temple Album Party zu schwärmen, welches von George Harrison gesponsort wurde und mit exklusiven vegetarischen Leckerbissen auch bei allen einen guten Nachgeschmack hinterließ.

Yogesvara erinnert sich in Here Comes The Sun (*): "Im August 1969 veröffentlichte Apple "Hare Krishna Mantra", ohne zu ahnen, wie die Öffentlichkeit auf ein Sanskritgebet reagieren würde, das mit einem Rockrhythmus unterlegt war. Fast Einhundert Reporter und Fotografen versammelten sich bei einer von der Apple Corporation einberufenen Pressekonferenz auf dem manikürten Rasen eines eleganten Landhauses in Sydenham.

George erklärte, dass " Hare Krishna Mantra " kein Popsong im eigentliche Sinne sei, sondern in Wirklichkeit ein uralter Mantra, welcher spirituelle Erleuchtung brächte.

"Ich kann gar nicht aufhören, das Krishna Mantra zu singen", sagte er den Journalisten " Ich singe es jeden Morgen etwa eine Dreiviertelstunde lang. In eine sogenannte normale Kirche zu gehen sei auch okay, das gibt ein gutes Gefühl, aber dort zeigen sie einem eben nicht den Weg zu einem Bewußtsein in Christus."



George Harrison Hare Krishna Launch Party 1969



Diejenigen Schreiber, die ein paar vorgekaute Informationen erwartet hatten, kratzten sich am Kopf, legten ihre Bleistifte beiseite und machten sich über das leckere Buffet aus würzigen Tomatensamosas und süßen Mangodrinks her.

Am nächsten Tag erntete "Hare Krishna Mantra" wohlwollende Kritiken in der britischen Presse und kam zum Dauereinsatz im Radio. Am ersten Tag nach ihrer Veröffentlichung hatte sich die Platte bereits siebzigtausendmal verkauft. Innerhalb von nur zwei Wochen kletterte sie an die Spitze der Top 10. Englands beliebteste Fernsehshow, Top of the Pops, übertrug viele Male die Bilder von den Krishna-Yogis, dann war das Eis gebrochen und von überall her kamen Angebote und Nachfragen für einen Auftritt. George verfolgte die landesweite ausgestrahlte Fernsehsendung mit großer Freude. Es war, wie er später bemerkte, " einer der schönsten Augenblicke meines Lebens."

George hatte über das Krishna-Mantra zum Lobgesang Gottes gefunden.! Es gab ihm ein gutes Gefühl, es war einfach und musikalisch. Die Vorstellung, dass Gott auf einer Flöte spielte, also ein Musiker war, fand er wundervoll.! Seit er vor der Griechenlandreise der Beatles 1967 das Hare-Krishna-Mantra auf Prabhupadas Platte zum ersten Mal gehört hatte, war George von dem religiösen Gesang fasziniert. Als er 1969 " Hare Krishna Mantra " aufnahm, hatten solche Gesänge längst einen festen Platz in seinem normalen Tagesablauf eingenommen. George stand vor Tagesanbruch auf, machte etwa eine halbe Stunde lang einige Yogaübungen und setzte sich dann mit einigen Japaperlen (Gebetskranz) still vor die Bilder seiner Lehrer und verschiedenen Götter. Er konzentrierte sich auf seinen Gesang. Er saß aufrecht, wie ein Yogi im Lotussitz und lauschte dem Klang jedes einzelnen Wortes. Wenn er seinem Geist erlaubte, abzuschweifen, veränderte das die Qualität seines Gebets: Dann brachte er Klänge, aber nichts Göttliches mehr hervor, erfüllte er ein Ritual, erweckte aber keine Liebe. Also widmete er dem Gesang seine ganze Aufmerksamkeit. Sorgen um geschäftliche Dinge oder Spannungen zwischen ihm und seinen Freunden mögen ihn von Zeit zu Zeit abgelenkt haben, aber soweit es möglich war, legte er all diese Gedanken beiseite und konzentrierte sich auf den Klang der Worte aus dem Mantra. Er horchte tief in sich hinein, um seiner Hingabe Kraft zu verleihen und durch den heiligen Klang die Gegenwart Gottes zu spüren.!"




(Hare Rama Hare Krishana Maha Mantra By Jagjit Singh, YouTube)




George Harrison in I Me Mine (*):
"Nun, wir sollten versuchen, Gott in allem zu sehen, dann hilft es so sehr, die Speisen schmecken zu können. Sagen wir wie es ist, wenn Gott in allem ist, warum sollte man Ihn nicht schmecken, wenn man isst? Ich glaube, dass Prasadam ( geweihte Speise ) eine sehr wichtige Sache ist. Krishna ist Gott, also ist Er absolut: Sein Name, Seine Form, Sein Essen-Prasadam, all das ist Er.

Man sagt, der Weg zum Herzen eines Menschen geht durch seinen Magen, und wenn man also durch Essen in das Herz eines Menschen gelangen kann und es funktioniert, warum sollt man es nicht tun? Es geht darum, dass Prasadam das heilige Sakrament ist, von dem die Christen in ihren heiligen Schriften sprechen, nur anstelle einer Oblate ist es ein einziges Schlemmermahl, wirklich, und der Geschmack ist so gut - jenseits von dieser Welt.! "






(*) Quellenangabe für Zitate:
  • Michael Grant (Mukunda Prabhu), Chant and be Happy, Iskcon BBT 1982
  • Joshua M.Green (Yogeshvara Prabhu), Here Comes The Sun, Hannibal 2006
  • George Harrison, I Me Mine, Chronicle Books 2002



harifan



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