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"Something"


(von George Harrison,
25. Februar bis 15. August 1969,
EMI Studios, London)





Sicher, George war vielleicht der " stille ", unscheinbare Beatle, aber auch derjenige, mit dem man sich am ehesten identifizieren konnte. John war echt cool, keine Frage, aber am Ende ein Pantoffelheld, dessen Musik durch Yoko seine Qualität verlor, Paul war gewiss ein genialer Musiker und Songschreiber, aber etwas zu brav und bieder. Ringo war zu unscheinbar, obwohl er die Band durch sein Spiel mehr als zusammenhielt. George dagegen schien einfach sein Ding zu machen. Mit der Zeit gewann er innerhalb der Gruppe als elegantes Korrektiv an Einfluss, schrieb wundervolle Songs wie Something und Love You To, machte als erster Beatle eine Solo-Platte (Wonderwall) und begeisterte durch seine präzises Gitarrenspiel.

Außerdem erschien er gerade aufgrund seiner linkischen Zurückgezogenheit besonders geheimnisvoll und kam bei den Mädchen, die ich sehr mochte mit siebzehn, damit am besten an, und auch ich als Harrison-Fan. George war für mich der Typ, der die Beatles nach Indien, zum Maharishi zur Meditation und zu den Hare Krishnas brachte. Wohin sonst hätten die berühmtesten Männer der Welt (neben Jesus ) auch gehen sollen....... in einen Ashram, in ein Kloster, ins innere Exil, zu Käptain Nemo, nach Island, oder auf den Mond, oder in den Himalaya.?

Am 25. Februar anno 1969, seinem 26. Geburtstag also, nahm George Harrison in dem EMI-Studios drei Demos auf. Er sang und spielte Gitarre und Klavier, unterstützt nur von Techniker Geoff Emmerick, so jedenfalls erinnerte sich David Fricke.

Ergebnis der Session : je zwei Takes von "Old Brown Shoe" – das die Beatles wenig später für eine B-Seite aufnahmen – und "All Things Must Pass", Titelsong seines Soloalbums von 1970. Und : die Rohversion einer Ballade, die er bei den Aufnahmen zum "White Album" im Vorjahr geschrieben hatte: "Something".





(Ray Charles "Something" bei Youtube)







George Harrison und die anderen Beatles sollten an diesem Song im Laufe des nächsten halben Jahres noch viel herumlaborieren; immer wieder kamen sie während der Aufnahmen zu "Abbey Road" darauf zurück, änderten Teile, schliffen am Arangement, nahmen Parts neu auf – bis der Song perfekt war. John Lennon gestand später, er halte "Something" für den besten Song auf "Abbey Road".

Es war auf alle Fälle der Song, mit dem George Harrison sowohl künstlerisch wie auch kommerziell als Popkomponist erwachsen wurde, mit dem er sich endlich den Respekt erwarb, den ihm Lennon und Mc Cartney so lange verwehrt hatten - und in gewisser Weise auch George Martin.

"Der Song verschlug mir die Sprache", sagte George Martin später über "Something", "weil ich George das nie zugetraut hätte. George schrieb damals schon verdammt gute Songs und er war in einer schwierigeren Position als die anderen beiden, weil ihm ja ein inspirierender Counterpart fehlte. Das machte ihn zum Einzelgänger. Dass er aber wirklich Talent besaß, merkte ich erstmals bei "Here Comes The Sun". Doch "Something" war aber nochmals eine ganz andere Dimension....... und gleichzeitig so ungeheuer simpel."

Am 15. August, dem letzten Aufnahmetag, stand George Harrison bei den Streicher-Overdubs neben George Martin auf dem Dirigentenpodium und spielte sein Solo neu ein, diese funkelnde Mixtura aus dreckigen Slidelicks und romantischem Schmelz. "Er spielte tatsächlich live zum Orchester" erinnerte sich Geoff Emmerick.

"Er war stets nervös, wenn es um seine Songs ging" sagte George Martin, "weil er ja wußte, dass er nicht der Nummer-Eins-Songwriter in der Band war. Er musste sich immer mehr bemühen als die anderen. " Mit "Something" aber, bewies sich der Gitarrist – vor sich selbst und vor der ganzen Welt....... "Ich mache mir zeitweilig große Vorwürfe, weil ich ihm früher nicht mehr Aufmerksamkeit gewidmet hatte." gesteht George Martin im Interview. "Nur muss man auch sehen, dass ich es mit John Lennon und Paul McCartney zu tun hatte – wer wollte es mir vorwerfen, dass ich mich auf sie konzentrierte? Sie waren die wohl größten Songwriter, die wir je hatten, und lieferten Hochkarätiges am laufenden Band." "Aber" fügt George Martin hinzu, "am Ende hat George es geschafft. Trotz all der Ermutigung und Unterstützung, die ich ihm vorenthalten habe."





(Paul McCartney "Something" live in Liverpool 2008 bei Youtube)






Wie sich der Song aus einer Idee entwickelt hatte habe ich ja schon in Kapitel 4 ausführlich beschrieben, hier nun eine Einschätzung von einem alten Beatles-Freund, Bill Harry, aus Liverpooler Tagen, der in seiner George Harrison Encyclopedia folgendes berichtet:

"Something was the only song by George to be issued as the A side of a Beatles single. The number was recorded during The Beatles White double Album sessions in 1968. George had taped a demo on 25 February 1969 and the Beatlers then recorded it on 16 April. It was recorded again on 2 May with overdubbing on 5,11 and 16 July and 15 August. The song is 2 minutes and 58 seconds in length.
It wasn't used on The Beatles double album but was included on the Abbey Road album and also released as a single in Britain on 31 Oktober 1969. It was the first British single to be taken from an album that had already been released, although it only reached No. 18 in the British charts. It was released as a single in Amerika on 6 Oktober 1969 and reached No. 3 in the all american charts.
Both John Lennon and Paul Mccartney considered it the best track on the Abbey Road album.
Ungenerously, John was to comment in his playboy interview: "Something " was the first time he ever got an A side, because Paul and I always wrote both sides anyway. Not because we were keeping him out, because, simply, his material wasn't up to scratch." That might have been John's point of view, but the Lennon and Mccartney juggling to get their own songs onto the singles and albums did close George out, whatever the quality of his material, as proved by their lack of interest in his classic "While My Guitar Gentley Weeps".

It was Allen Klein who insisted on "Something" being issued as a single. But for his intervention, George may never have had the A side of a Beatles single.
The first line was inspired by a track on James Taylor's first Apple album Something In The Way She Moves. For a time, as a joke, George had oppened with the lines, "Something in the way she moves/attracts me like a Pomegranate."

In his I. Me. Mine. book George said it was " probably the nicest melody line I'ever written". George was to recall, "Something was written on the piano while we were making the White album. I had a break while Paul was doing some oberdubbing so I went into an empty studio and began to write. That's really all there is to it, exept the middle took some time to sort out. It didn't go on the White album because we'd already finished all the tracks. I gave it to Joe Cocker a year bevor I dit it."

There were over 150 versions of the number recorded within the first decade following its release, making it second only to "Yesterday". Frank Sinatra was to say that "Something" was "the greatest love song of the past fifty years". Sinatra included it in his repertoire, altthough in a number of performances he inaccurately credited it to Lennon & McCartney. Shirley Bassey recorded it in 1976 and her version reached No.4 in the British charts.

George was to say in I. Me.Mine.:
"It's probably got a range of five notes which fits most singers needs best. This I suppose, is my most successful song with over 150 cover versions. My favourite version is the one by James Brown - that was excellent. When i wrote it, in my mind I heard Ray Charles singing it, and he did do it some years later. I like Smokey Robinson's version too."

"Someting also received an ivor Novello Award as best song musically and lyrically".

In 1997, George discussed the inclusion of "Something" on the Beatles Anthology.

"That was a song I wrote back during the White album. There was a moment that I wasn't doing anything while we were making the white album and I wrote it on the piano in Studio One in Abbey Road and it sounded like it was so obvious to me from a piano point of view, the notes, the way they followed on, that I couldn't believe that nobody had ever written that before. You know, as with any song that's really popular, there's a lot of cover versions of it, and I've never counted them up, but there was many versions of that "Something", like Smokey Robinson & the Miracles and James Brown, and not many people know about the James Brown version, but it was a hell of a record, yes it was really good. Then it became pretty tricky to do the bridge and make it all work and musically for it all to get back out of the bridge. The arrangement took me quite a while to get if finished."






(Joe Cocker "Something" bei Youtube)







Soulshepherd

Wie ich weiter oben schon anmerkte, ist die Vorgeschichte des Songs im vierten Kapitel von "Something forever" von mir ja schon beschrieben worden. Hier nun möchte ich einmal die Sicht auf den Song von der Bhakti-yoga-Philosophie-Seite her betrachten. Denn ein Liebeslied ist ja auch immer nur so tiefsinnig.... wie die Person, der es entströmt..... und ein von Gott angeturnter Liebeshirte wird für seine Herde gewiss in die tiefsten Tiefen seiner Seelenaue vorgedrungen sein, um die Gemeinde an den kühlen Wassern der Yamuna zu erfrischen mit seinem Lied.

In seinem Buch "Here Comes The Sun", der spirituelle und musikalische Weg des George Harrison, beschreibt Joshua M. Greene im Anhang sehr schön die verschiedenen Aspekte der Liebe zu Gott, die für George auch immer die Liebe zu den Mitmenschen beinhalten mußte, die ja Teile des göttlichen Ganzen sind:

"Der Song handelt übrigens von Krishna", sagte George zu verschiedenen Anlässen.... George scheint verschiedene Erklärungen dafür gehabt zu haben, an wen er alles dachte, als er bestimme Songs schrieb. "Kreative Künstler hatten schon immer ihre Musen", sagte Pattie Harrison im August 2004 im Gespräch mit der Zeitschrift Hello. "Ich war jung und sehr schüchtern, und als mir George sagte, Something sei auch für mich, erschien es mir als keine große Sache. Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich damit selbst zu einem Stück Musikgeschichte wurde." Bei verschiedensten Gelegenheiten erklärte George, der Song sei "nicht über Pattie. Alle sagen, er wäre es, aber das stimmt nicht. es war einfach nur ein Song." ( zitiert in The Beatles Off The Record von Keith Badman, Seite 469 ).

In der Ambivalenz des Textes von "Something" hinsichtlich der Liebe schimmern Themen durch, die seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar seit Jahrtausenden in der religiösen Poesie Indiens behandelt werden. Etwa in den Oden des Dichters Vidyapati aus dem vierzehnten Jahrhundert oder in den Werken von Chandidas, einem Dichter des sechzehnten Jahrhunderts, in welchen er die Gopis besingt... Kuhhirtinnen aus Krishnas Dorf.... für die Krishna "like no other lover" in ihren Herzen war.

Die Bhakti-Tradition beschreibt die Liebe zu Gott als etwas, das in verschiedenen Entwicklungsstufen stattfindet, die "rasas" – Geschmäcker – genannt werden. Rupa Goswamis Buch Bhakti-rasamrita-sindhu (Der Nektar der Hingabe) vergleicht die frühe Stufe der Liebe zu Gott mit Zuckerrohrsaft....... flüssig und rein, aber leicht zu trüben. Diese frühe Stufe wird "Shanta-rasa" genannt, ein friedvolles, passives Wissen von der Gegenwart Gottes. Shanti, Frieden, erfreut sich in westlichen Yogakreisen großer Aufmerksamkeit, doch für Krishna-Bhaktas ist dies freilich nur der Anfang des Weges, welcher sie in die Gemeinschaft Gottes zurückführen möchte.

Wenn sie durch ein Verlangen, diese Liebe aktiv zu demonstrieren, weiter stimuliert wird, wird diese friedvolle Stufe zu "Dasya-rasa", zur Dienerschaft. Rupa Goswami vergleicht diese Empfindung mit eingedicktem, zu Sirup gekochtem Zuckerrohrsaft. Diese Dienerschaft umfasst höhere und tiefere Stufen. Wenn aber diese Unterschiede verschwinden, entsteht die Liebe zwischen Gleichberechtigten, "Sakya-rasa", der Geschmack von Freundschaft, der mit zu Melasse eingedicktem Sirup verglichen wird. Wenn Freunde miteinander umgehen, behandeln sie einander zwanglos.

Eine weiterentwickelte Liebe zu Gott legt solche Ungezwungenheit ab und erreicht die Stufe der "Vatsalya-rasa", der elterlichen Liebe und Zuneigung. Wenn die Liebe zu Gott ihre höchste und intensivste Stufe und Ausprägung erreicht hat, verschwindet das elterliche Pflichtgefühl zunehmend. Was bleibt, ist eine bedingungslose, vollkommen ekstatische Liebe, die sich nicht um gesellschaftliche Gepflogenheiten schert: "Madhura-rasa", die eheliche Zuneigung. Krishnas Freundinnen, die weiblichen Kuhhirten von Vrindavan, stehen stellvertretend für diese höchste Stufe der Liebe, die mit Kandiszucker verglichen wird!"






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